WERKE

Raumfahrer

Roman, 2021

Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.
Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind — und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.

Pressestimmen

Kaum ein Autor schreibt derzeit empathischer über Männlichkeit.
Deutschlandfunk

Der Roman ›Raumfahrer‹ ist feine, große Literatur.
Welt am Sonntag

Das starke Werk eines talentierten Autors, von dem noch einiges zu erwarten ist.
Der Tagesspiegel

Es gehört zu Rietzschels sparsamer Erzählweise, vieles nur anzudeuten und die Einzelheiten hart nebeneinander stehen zu lassen. Er schreibt in kurzen, stakkatohaft hingetupften Sätzen. Das macht den Reiz dieses Romans aus.«
Süddeutsche Zeitung

 

Widerstand

Theaterstück, 2021

„Lukas Rietzschel entwirft in großer Genauigkeit die Atmosphäre einer Gegenwart. Sein Text schaut sehr genau hin und hört seinen Figuren sehr genau zu: Dem, was sie sagen, und dem, was in der Stille dazwischen liegt. Dem, was geschieht, und dem, was daraus geschehen könnte. Einfache Antworten sucht der Text nicht, er verwirft sie, sogar die Figuren verwerfen sie. Stattdessen gibt „Widerstand“ in konzentrierten Dialogen und in scharfer Beobachtung das Bild einer Gesellschaft, deren Substanz Risse hat, die größer werden. Und die mit Argumenten nur noch schwer zu kitten sind.“

Gestaltung: HawaiiF3 & Bureau Est

Pressestimmen

Geschickt verstrickt Rietzschel mehrere thematische Bewegungen miteinander, und alle zeigen Zerfall – zwischen der großen Stadt und der entkernten Provinz, zwischen Frauen und Männern, zwischen letztem Rest von Zivilisation und richtungslos-rechtem Terror. Rietzschels kleine Welt ist krank, dämmert hoffnungslos dem Ende entgegen. (…) Der junge Autor ist auf bestem Weg zum Dramatiker. Das Schauspiel Leipzig tat gut daran, ihm diesen Stückauftrag zu geben.
Deutschlandfunk Kultur

Zweifelsohne zählt dieses bildreiche Panoptikum verlorener Seelen zu den exzellentesten Realisierungen auf der digitalen Bühne!
Die deutsche Bühne

In mancher Hinsicht ist sein Stück eine Hommage an den französischen Autorsoziologen Didier Eribon, der mit „Rückkehr nach Reims“ eine Art Standartwerk autobiographischer Annäherung an die heimatliche Provinz und ihre politischen Unwägbarkeiten geschrieben hat.
Simon Strauß, FAZ

Mit der Faust in die Welt schlagen

Roman, 2018

Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. 

Pressestimmen

Rietzschel – und das ist für das Debüt eines 1994 geborenen keine geringe Leistung – gibt eine tiefenpsychologische und zugleich literarisch stimmige Auskunft über Ostdeutschland. Seine Erzählstimme lässt Figuren lebendig werden, wie man sie in dieser erstickten Masse aus Einsamkeit, Enthausung und Empathielosigkeit zuletzt in Christoph Heins „Der fremde Freud“ gelesen zu haben glaubt.
Die Welt

Vorsichtig, aber rasant, kaum Adjektive, oft sogar ohne Verben. Reduzierte, helle, klare Sprache, manchmal ein Satz ein Wort. […] Das ist einfach sehr gut beobachtet und schön und poetisch und genau geschrieben.
DER SPIEGEL

Kunstvoll ist das gebaut. Beinahe zwangsläufig muss man an Clemens Meyer und dessen Figuren denken. […] Rietzschels Protagonisten kommen aus einer ähnlichen Welt und sind ebenso darin gefangen. In gewisser Hinsicht ist sein Buch ein „Als wir träumten 2.0“. Eine Generation später, auf dem Lande, deutlich desillusionierter.
FAZ